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Lachs im Test

28.11.2018

Am 22.11.2018 war der Testbericht von Ökotest zu Lachs in den Läden zu kaufen. 

Ökotest kritisiert in seiner aktuellen Ausgabe die Haltungsform Aquakultur als grundsätzlich nicht empfehlenswert. Konkret geht es um die Haltung von Lachsen. Diese könnten in Netzgehegen ihren Wandergewohnheiten nicht nachgehen, keine Sozialstruktur entwickeln, nicht vor aggressiven Artgenossen fliehen, aufgrund der gleichförmigen engen Umgebung käme es zu Langeweile und Skelettverformungen. Die Behandlung von Läusen in den Beständen schade zudem der Umwelt.

Der Bundesverband Aquakultur nimmt wiefolgt Stellung dazu:

"Ja, Menschen verzehren Tiere und haben die meisten dafür genutzten Tierarten seit der neolithischen Revolution in ihre Nähe geholt und halten sie „auf Vorrat“. Bei allen Nutztierrassen gibt es körperliche, verhaltensmäßige, physiologische Veränderungen als Folge der Domestikation. Auf Grund steigender Nachfrage sind die Produktionsformen für tierisches Eiweiß immer naturferner geworden. Die einzige ethisch vertretbare Reaktionsweise wäre der Verzicht auf tierisches Eiweiß, z. b. durch eine vegetarische oder vegane Lebensweise. Alternativ bliebe außerdem nur doch die Gewinnung von tierischem Eiweiß durch Jagd und Fischerei, was für die betroffenen Tiere aber auch mit Leid verbunden ist und wofür die Wildbestände schon lange nicht mehr ausreichen.

Die überwiegende Mehrheit der Menschen verzehrt weiterhin tierisches Eiweiß. Dieses Eiweiß nur noch wenigen, zahlungskräftigen Bevölkerungsgruppen bereit zu stellen, wäre ebenfalls unethisch und unsozial.

Eine nachhaltige Aquakultur trägt den grundsätzlich berechtigten Kritiken an bestimmten Erscheinungsformen Rechnung. Fischmehl wird zunehmend durch andere Futtermittel substituiert, die aktuelle Forschung erlaubt zukünftig weitere Reduktionen und Substitutionen. Der Medikamenteneinsatz ist in den letzten Jahren dank intensiver Forschung, einem vorbeugenden Gesundheitsmanagements, anderer Fütterung u. ä. erheblich zurück gegangen und wird weiter zurück gehen, allein schon deswegen weil dies ein nicht unerheblicher Kostenfaktor in der Aquakultur gewesen ist.

Gegenüber den bisherigen Produktionsformen für tierisches Eiweiß an Land bietet die Aquakultur eine Fülle an ökologischen Vorteilen, insbesondere durch die höheren Wirkungsgrade beim Futtermitteleinsatz, den geringeren Flächenverbrauch und ihren Beitrag zum Klimaschutz.

Die Produktion von Lachsen und anderen Fischarten in Aquakultur ist immer auch ein Eingriff in die Lebensweisen der dort gehaltenen Fische. Die Verdichtung entspricht aber eher dem Schwarmverhalten von Fischen und hat deswegen einen anderen Stellenwert als bei Warmblütern. Bewertet werden muss der Eingriff in die natürliche Lebensweise der Aquakulturfische aber immer auch im Abgleich zu den Haltungs- und Schlachtungsformen bei anderen Formen der Produktion tierischer Biomasse. Bei allen Nutztierarten gibt es Einschränkung der Bewegungsmöglichkeiten, Haltungsverdichtungen, andere Futtermittel, verstärkte Infektionen u. v. a. m. an aus ethischer Sicht zu beklagenden Nebeneffekten.

Bei einer nachhaltigen Aquakultur werden die Belange des Tierwohls aber angemessen berücksichtigt.

Wildlachs kann zwar eine Alternative zu Kulturlachs sein, aber der Fang hat auch Auswirkungen auf deren natürliche Populationen, Alters- und Größenstruktur, die Vermehrungsfähigkeit der Restbestände usw., der Fang ist auch mit individuellem Leid verbunden.

So wie bei allen anderen Nutztierhaltungen an Land auch lassen sich in der Aquakultur Erkrankungen nicht ganz auf Null drücken und wird es auch zukünftig immer wieder neue Erreger geben.

Die Lachsläuse sind Kleinkrebse, deren Verwandte auch in natürlichen Fischbeständen zu finden sind, genauso wie Nematoden (Fadenwürmer), je dichter die Schwärme, desto höher auch dort der Befall. Für die Bekämpfung der Lachsläuse in der Aquakultur werden im Moment nahezu marktfähige innovative technische Systeme entwickelt, die die Lachsläuse gezielt und ohne Medikamenteneinsatz entfernen. Dieses Problem wird sich dadurch ggf. in Zukunft auflösen. Die Nematoden lassen sich, wie bei allen anderen Fischarten aus Wildfängen z. B. an Leuchttischen aussortieren. Sie stellen kein Risiko für den Menschen dar, sind aber immer wieder Gegenstand medialer Aufmerksamkeit, s. Heringsspulwürmer vor einigen Jahren."