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Miesmuschel

Miesmuschel, Mytilus edulis

 

Lebensraum

Das Verbreitungsgebiet der Miesmuschel erstreckt sich über einen großen Teil der europäischen Küstengewässser, vom weißen Meer in Russland bis zur Atlantikküste Südfrankreichs. Miesmuscheln leben im Gezeitenbereich bis in einer Wassertiefe von ca. 40 m, auch in Hafenanlagen. Häufig bilden sie Muschelbänke und erreichen dort enorme Biomassedichten.

Merkmale

Miesmuscheln sind bis maximal 10 cm lange, blau-violett-schwarze Muscheln, die sich filtrierend ernährend und sich mit Hilfe ihrer aus einem Sekret der Fußdrüsen produzierten Byssus-Klebfäden an harten Untergründen anheften.

Aquakultur allgemein

Die Kultur von Miesmuscheln wird auf zwei verschiedenen Wegen durchgeführt, als Bodenkultur und als Langleinen-Kultur.

Bodenkultur: Ob man die Bodenfischerei von Miesmuscheln als Kultur bezeichnet ist Geschmackssache. Eigentlich werden sie – wie in der traditionellen Fischerei – mit Dredgen vom Boden aufgenommen. Im Wattenmeer ist es aber seit langer Zeit üblich, junge Muscheln („Saatmuscheln“) von flachen Bänken abzufischen und zum Auswachsen in tiefere Regionen zu verbringen. Bezeichnet man das als Kultur ist die Miesmuschelproduktion mit ca. 10.000 Tonnen/Jahr (stark schwankend!) die bei weitem bedeutendste Form der marinen Aquakultur in Deutschland (Smaal 2002). Seit etlichen Jahren leidet die Bodenfischerei an der Nordseeküste unter dem kleinen und weiter sinkenden Larvenangebot. Seit 2012 ist der Import von Saatmuscheln aus Irland verboten (Verwaltungsgericht Schleswig, Aktenzeichen 1 A 104/08), mit denen vorher die Muschelbänke zum Teil bestückt wurden. Verstärkt werden in den letzten Jahren Smart-Farm-Systeme zur Gewinnung von Saatmuscheln eingesetzt.

Langleinenkulturen (Hängekulturen) stellen das Gros der Muschelproduktion in der EU, was auf den großen Anteil der spanischen Produktion innerhalb der EU zurückgeht (ca. 250.000 Tonnen/Jahr von den insgesamt in Europa erzeugten ca. 550.000 Tonnen/Jahr), die fast ausschließlich hängend an Flößen durchgeführt wird. Der höhere Arbeitsaufwand gegenüber Bodenkulturen wird durch bessere Qualität (d. h. schnelleres Wachstum, geringere Schadstoffbelastung, kaum Sandanteil) kompensiert. Derzeit wird in Nordeuropa noch der größte Teil der Miesmuscheln vom Boden gefischt, jedoch geht der Trend auch hier in Richtung  Langleinenkulturen, nicht zuletzt, da Bodenkulturen – und im Besonderen das Abernten derselben – im Gegensatz zur Langleinenkultur einen störenden Einfluss auf den Lebensraum Meeresboden ausüben.

Aquakultur in Deutschland

Für die Kultur der Miesmuschel in der Ostsee bedient man sich an dem dort reichlich vorhandenen Angebot natürlicher Muschellarven. Der Zeitpunkt des Larvenfalls hängt von der Umgebungstemperatur ab. Mit zunehmender Wassertemperatur beginnen die Muscheln zu laichen, das Maximum ist im Mai bis Juni. Weibliche Muscheln produzieren 5 – 12 Millionen Eier, die von den ebenfalls  freischwimmenden Spermien der Männchen im Wasser befruchtet werden. Die Larven leben zuerst freischwimmend in der Wassersäule und setzen sich nach Tagen oder Wochen auf unterschiedlichen Hartsubstraten fest. Zum Gewinnen von Miesmuschellarven für die Kultur werden sogenannte Kollektoren verwendet, auf denen sich die Larven festsetzen. Als besonders brauchbar haben sich ca. 5 cm breite, weiße Gurtbänder herausgestellt – Miesmuschellarven reagieren positiv phototaktisch auf helle Flächen.

Nach ca. 3 Monaten, also etwa im August bis September, haben die jungen Miesmuscheln eine Größe von ca. 2 cm erreicht. Zu diesem Zeitpunkt müssen sie von den Gurtbändern gelöst und in sogenannte Socken überführt werden. Die Socken bestehen aus einem grobmaschigen Nylongeflecht mit zusätzlichen Baumwollfäden, die sich innerhalb weniger Wochen im Seewasser auflösen und den Muscheln gestatten, sich außen an den Socken mit ihren Byssusfäden zu befestigen. An diesen Socken wachsen die Muscheln innerhalb von bis zur Marktgröße von 4 bis 6 cm heran.

Der Ernteperiode ist das Winterhalbjahr, dann sind die Muscheln am fleischreichsten und wohlschmeckendsten; zudem sind in dieser Jahreszeit Keime und Algentoxine im Minimum.

Nahrung                                                                              

Miesmuscheln bedürfen keiner zusätzlichen Fütterung, sie ernähren sich aus dem natürlich vorkommenden Planktonangebot und wirken damit der übermäßigen Nährstoffanreicherung im Wasser (Eutrophierung) entgegen.

Vermarktung

Muscheln werden frisch, gefroren oder konserviert als Lebensmittel gehandelt. In der EU beträgt die angelandete Menge ca. 550.000 t/a, in Deutschland liegt sie bei stark schwankenden Jahresanlandungen derzeit bei ca. 10.000 t/a, ist aber wegen der Saatmuschelprobleme in der Nordsee rückläufig.

Weiterführende Informationen

Krost, Peter; Kock, Monika; Rehm, Stefan; Piker, Levent (2011): Leitfaden für nachhaltige marine Aquakultur. Selbstverlag CRM, 64 S.

Smaal, A.C. (2002): European mussel cultivation along the Atlantic coast: production status, problems and perspectives. Hydrobiologia, Volume 484, Issue 1, pages, 89-98

Produzenten im Bundesverband Aquakultur

oceanBASIS GmbH
Tiessenkai 12
24159 Kiel

www.oceanbasis.de

 

 

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