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Meersalat

Meersalat, Ulva sp. (inkl. Enteromorpha)

 

Lebensraum

Die flächige Grünalge Ulva und die röhrenförmige Enteromorpha sind nahe verwandt. Ihre weltweit in der Gezeitenzone vorkommenden Arten werden heute alle in der Algengattung Ulva aufgeführt. Die flächigen Ulva-Arten besiedeln die untere Gezeitenzone, Ulva-Arten vom Typ Enteromorpha die obere Gezeitenzone.

Merkmale

Diese Algen haben nur zwei Zellschichten. Bei Enteromorpha umschließen die Zellschichten röhrenförmig einen oft gasgefüllten Innenraum, und daher treibt Enteromorpha leicht auf. Die Artbestimmung innerhalb der Ulva- und Enteromopha-Gruppen ist schwierig, und im allgemeinen Sprachgebrauch belässt man es am besten bei „Ulva sp.“ (irgendeine Art ist gemeint).

 Mit Haftscheiben sind die Algen auf dem Felsboden verankert. Es gibt Gameten (zweigeißlig) entlassende Exemplare und Sporen (viergeißlig) entlassende Exemplare, die äußerlich alle gleich aussehen und über einen (daher isomorph genannten) Generationswechsel mit einander verbunden sind. Die Entlassung der Gameten und Sporen erfolgt bei Springniedrigwasser alle 2 oder 4 Wochen, und der Vollmond synchronisiert alle 4 Wochen diese lunare Fortpflanzungsrhythmik, wie bei vielen Tieren der Gezeitenzone (Lüning et al. 2008).

Aquakultur allgemein

Ulva lässt sich leicht in Tankkultur an Land mit Luftumwirbelung züchten, die freischwebenden Thalli zerteilen sich selbst. Ärgerlich für die Aquakultur ist nur die lunarperiodisch alle 2-4 Wochen erfolgende Bildung von Fortpflanzungsschwärmern, wobei das äußere Drittel des Ulva-Thallus, also dann auch ein Drittel der Biomasse in den Tanks, in Sporen oder Gameten umgewandelt wird und mit dem Umlaufwasser verloren geht. Bei großer Algendichte bleiben aber die Ulva-Thalli zumeist vegetativ, weil sie Sporulationshemmer bilden, mit denen sie die unteren zwei Drittel ihres Thallus vor der Sporulation schützen und vegetativ erhalten (Stratmann et al. 1996). Diese Sporulationshemmer gelangen auch in das umgebende Kulturwasser, wodurch dann die Bildung von Gameten oder Sporen der gesamten Ulva-Biomasse im Tank unterdrückt wird.

 „Green Tides“ mit gewaltiger freitreibender Biomasse von Ulva-Arten treten explosionsartig im Sommer an nährstoffreichen Küsten auf, so regelmäßig an den Küsten der Bretagne, wenn die Nährstoffe (Ammonium, Nitrat, Phosphat) der dortigen intensiven Schweinezucht ins Meer fließen anstatt in die offenbar immer noch nicht ausreichenden Kläranlagen an Land. Seit 2007 sind die Ulva-Green-Tides (Typ Enteromorpha) an der Nordküste Chinas bei Qingdao berüchtigt. Im Olympia-Jahr 2008 bildete sich in wenigen Wochen rießiger Algenteppich vor der Küste von Qingdao, behinderte die Segelwettbewerbe und wurde mit einem Kostenaufwand von 100 Millionen US$ beseitigt (Wang et al. 2009). Die obenerwähnten Ulva-eigenen Sporulationshemmer mögen das Problem noch verschärfen, weil die im festsitzenden Zustand in der Natur periodisch erfolgende Reduktion der Ulva-Algenbiomasse durch Bildung von Gameten oder Sporen bei großer Algendichte im freitreibenden Algenteppich unterbleibt.

Aquakultur in Deutschland

Für diverse Zwecke kann Ulva in Deutschland in Tankkultur produziert werden. In Deutschland ist Ulva als Nahrungsmittel für den Menschen unter den marinen Makroalgen noch nicht zugelassen, bisher nur der Brauntang Laminaria saccharina, auf Antrag der Sylter Algenfarm GmbH & Co.KG im Jahr 2005. In Frankreich wurde Ulva vom Conseil Supérieur de l’Hygiene Publique als Lebensmittel empfohlen. Ulva als Nahrungsmittel spielt in Fernost im Vergleich zur Rotalge Porphyra (japanisch: Nori) oder Laminaria (japanisch: Kombu) keine große Rolle, wird aber in Chile und Peru sowie auf den Philippinen und in Indonesien als Meeresgemüse gegessen.

Setzlinge

Man verwendet Wildpflanzen aus der Natur oder züchtet die Setzlinge aus Sporen oder Gameten von Ulva.

Vermarktung

Ulva kommt luftgetrocknet in den Handel.

Weiterführende Informationen

Algaebase species information

http://www.algaebase.org/search/species/detail/?species_id=39&sk=0&from=results

Lüning, K., Kadel, P., Pang, S., (2008). Control of reproduction by environmental and endogenous signals in Ulva pseudocurvata (Chlorophyta). Journal of Phycology 44, 866-873.

Stratmann, J., Paputsoglu, G. & Oertel, W. (1996). Differentiation of Ulva mutabilis (Chlorophyta) gametangia and gamete release are controlled by extracellular inhibitors. J. Phycol., 32: 1009-1021.

Wang, X.H., Li, L., Bao, X., Zhao, L.D. (2009). Economic cost of an algae bloom cleanup in China’s Olympic sailing venue. Eos Trans. AGU 90(28), 238-239.

Produzenten im Bundesverband Aquakultur

 

Sylter Algenfarm GmbH & Co. KG

Hafenstraße 10-12

25992 List (Sylt)

www.algenfarm.de