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Garnele

White Tiger Garnele, Litopenaeus vannamei

 

Lebensraum

Die White Tiger Garnele, im Englischen ‚Whiteleg Shrimp‘ oder auch ‚White Shrimp‘ genannt, ist eine tropische Meerwasser Garnele. Ihr natürliches Verbreitungsgebiet erstreckt sich auf den Südpazifik von Mexiko bis Peru. Die Elterntiere leben und laichen in tieferen Meeresgebieten. Die Jungtiere wandern zur Küste u.a. in Ästuare, Lagunen oder Mangroven. Dort verbringen sie ihre Jugendstadien. Im Alter von 6-7 Monaten werden sie geschlechtsreif. Die Weibchen sind zu diesem Zeitpunkt mit etwa 28g deutlich schwerer als die Männchen mit etwa 20g. Eine weibliche Garnele mit einem Gewicht von 30-45g legt ungefähr 100.000-250.000 Eier mit einem Durchmesser von ungefähr 0,22mm. Anschließend werden sie von den männlichen Garnelen befruchtet.  Nach ungefähr 16 Stunden schlüpfen die Nauplien, das erste Larvenstadium. Diese leben planktonisch und ernähren sich ausschließlich vom Dottersack. Die nach mehreren Metamorphosen anschließenden Larvenstadien, Protozoea, Mysis und frühe Postlarven, leben weiterhin planktonisch, ernähren sich jedoch bereits von Phyto- und Zooplankton. Durch die Gezeiten werden die Larven langsam zur Küste getrieben. Ungefähr 5 Tage nach Abschluss des Larvenstadiums, sogenannte Postlarven, gehen sie im Küstenbereich zu einer bodenorientierten Lebensweise über und ernähren sich von abgestorbenen Pflanzen-und Tierresten (Detritus), Würmern, Muscheln und anderen Krebstieren.

Merkmale

Litopenaeus vannamei gehört zur Ordnung der Zehnfusskrebse (Decapoda). Sie hat wie alle Garnelen einen langgestreckten, mehr oder weniger zylindrischen und seitlich leicht zusammengedrückten Körper mit dünner Schale. Am Kopf befindet sich ein nach vorn gerichteter, langer Fortsatz, das Rostrum, und zwei Antennenpaare. Daran anschließend befindet sich der Carapax (Bedeckung der Rumpfsegmente). Im Rumpfbereich befinden sich 2 Beinpaare (Chelipeden) mit kleinen Scheren und 3 Streitbeinpaare (Pereiopoden). Der hintere Teil mit den Schwanzsegmenten wird Abdomen genannt. Er trägt 5 Schwimmbeinpaare. Der abschließende Schwanzfächer (Telson) dient durch ruckartiges Einklappen der schnellen Flucht vor Feinden. Der dafür verantwortliche massive Muskel bildet das kommerziell genutzte "Garnelenfleisch". Die White Tiger Garnele ist vom äußeren Erscheinungsbild milchig bis transparent. Die Intensität und der Farbausschlag der Pigmentierung wird jedoch von sehr vielen verschiedenen Faktoren, wie z.B. Intensität der Sonneneinstrahlung, Wassertrübung, Farbe des Untergrundes oder Nahrungsspektrum, beeinflusst und kann daher variieren.

Aquakultur allgemein

Erste Erfolge in der künstlichen Vermehrung dieser Art in den 70iger Jahren sowie eine konsequente Weiterentwicklung von Futtermitteln und Produktionsmethoden führten zu einer Kommerzialisierung der Produktion zu Beginn der 80er Jahre in Süd- und Zentralamerika sowie in den USA. Von dieser Zeit an stieg die Produktion vor allem in Lateinamerika rasant an. Die Produktion erreichte noch vor der Jahrtausendwende fast 200.000 Tonnen pro Jahr. Mit Zunahme der Probleme bei der Aquakultur von einheimische Garnelenarten (z.B. der Black Tiger Garnele, Penaeus monodon) wurde die in Asien exotische Art Litopenaeus vannamei ebenfalls eingeführt und verzeichnet seitdem rasante Zuwachsraten. Aufgrund der Tatsache, dass sich diese Garnele einfacher züchten lässt, begann man mit der Zucht zu Beginn des 21. Jahrhunderts auch in Thailand, China, Indonesien und Vietnam. Derzeit (2015) werden weltweit ca. 3 Mio. Tonnen dieser Art produziert. Die wichtigsten Erzeugerländer sind China, Indonesien, Vietnam, Thailand, Ecuador und Brasilien. Ein profitables Geschäft aber auch ein großes ökologisches Risiko. Die Aquakulturen verursachen oftmals irreversible Schäden am fragilen Ökosystem der Küsten. Die Abholzung von Mangrovenwäldern oder die Versalzung von Böden stehen nur beispielhaft für die negativen Auswirkungen einer in den letzten Jahrzenten rasant gewachsenen Industrie. Das explosionsartige Wachstum und schlechte Haltungsbedingungen führen immer wieder zum Ausbruch von Krankheiten und Seuchen. Es sind vor allem Viruserkrankungen, welche der Industrie milliardenschwere Verluste besorgen.

Die Produktion erfolgt in der Regel in Teichen. Dabei kann es sich um küstennahe Teiche handeln, bei denen der Wasseraustausch ausschließlich von den Gezeiten bestimmt wird. Diese werden überwiegend extensiv betrieben, d.h. die Teiche werden mit wenigen Postlarven besetzt (4-10 Postlarven pro m²) und die Garnelen ernähren sich zum größten Teil von der natürlichen Produktion. Um diese zu unterstützen werden den Teichen Nährstoffe zugeführt. Ursprünglich wurden wilde Postlarven mit den Gezeiten in die Teiche gespült oder sie wurden mit speziellen Kollektoren gefangen. Seit den 80er Jahren stammen die Postlarven aus Brutanstalten. Die Produktion in extensiven Teichen beträgt ca. 150-500kg pro Hektar und Ernte. In Semi-Intensiven Teichen (10-30 Postlarven pro m²) kommen zusätzlich Pumpen für den Wasseraustausch zum Einsatz und sie werden minimal belüftet. Neben der natürlichen Produktion des Teiches wird 2-3ml am Tag mit künstlichen Futtermitteln zu gefüttert. Die Produktion in semi-intensiven Teichen beträgt ca. 500-2.000kg pro Hektar und Ernte. Intensive Teiche sind in der Regel weiter von der Küste entfernt. Sie können komplett entleert und getrocknet werden, um sie dann für den Besatz mit Postlarven vorzubereiten. Zunehmend wird in diesen Teichen, gerade wenn sie weiter von der Küste entfernt sind, mit sehr niedrigen Salzgehalten gearbeitet. Die Teiche sind in der Regel mit einer Fläche von ca. 0,1-1,0 ha relativ klein. Aufgrund der höheren Besatzdichten (60-300 Postlarven pro m²) müssen diese Teichen intensiv belüftetet und zu gefüttert werden. In diesen Teichen können bis zu 50.000kg pro Hektar und Ernte produziert werden.

Mit dem Ausbruch einer Vielzahl von viralen Epidemien wurden spezielle domestizierte, virusfreie Elterntierbestände entwickelt. Darüber hinaus wird heutzutage versucht die Biosicherheit zu erhöhen, indem der Einfluss der Umwelt auf die Produktion reduziert wird. Zum Beispiel wird stark daran gearbeitet, den Wasseraustausch mit der Umwelt zu minimieren. Um die dafür notwendige natürliche Reinigung der Teiche zu erhöhen, werden Plankton- oder auch Bakterienblüten (Biofloc) induziert. Durch die gezielte Zugabe von Nährstoffen können diese gesteuert werden.

Eine weitere Entwicklung sind sogenannte super-intensive Systeme in Gewächshäusern oder Gebäuden. Diese zeichnen sich durch einen sehr geringen Wasseraustausch und einem hohen Maß an Biosicherheit aus. Diese Systeme werden als sogenannte Biofloc Systeme oder klassische Kreislaufsysteme betrieben. In zuerst genannten werden die gesamten Ausscheidungen der Garnelen durch heterotrophe Bakterien abgebaut, welche diese als Nahrung nutzen. Die Reinigung des Wassers findet dabei im Produktionsbecken statt und erfolgt nahezu ausschließlich biologisch. Das Wachstum der Bakterien wird durch Zugabe von Kohlenwasserstoffen und Sauerstoff beschleunigt. Diese liegen als sogenannte Belebtschlammflocken (biofloc) im Wasser suspendiert in hoher Konzentration vor. Aus diesem Grund ist das Wasser sehr trüb und die Konzentration der ständig nachwachsenden Bakterien ist zu kontrollieren und stabil zu halten. In klassischen Kreislaufanlagen werden die Ausscheidungen der Garnelen durch eine Reihe verschiedener Filtersysteme entfernt. Das Wasser fließt dabei aus dem Produktionsbecken einer Wasseraufbereitung zu. Zuerst entfernt eine mechanische Reinigung die Feststoffe, wie z.B. den Kot der Garnelen. Anschließend wird das Wasser biologisch aufbereitet, indem verschiedene Bakterien, die gelösten Ausscheidungen umwandeln oder entfernen. Je nach Intensivierungsgrad und Wassererneuerungsrate sind weitere Filterkomponenten notwendig, wie z.B. Sauerstoffeintrag, Kohlendioxidaustrag, Denitrifikation, Desinfektion, etc. In diesen super-intensiven Systemen kann ganzjährig geerntet werden, im Gegensatz zu Teichen in denen in der Regel nur 2-3mal pro Jahr vollständig abgefischt wird. Die Produktion kann bis zu 500.000kg pro Hektar und Jahr betragen. Diese Systeme sind von der Umwelt nahezu vollständig entkoppelt und zeichnen sich durch einen sehr geringen ökologischen Fußabdruck aus.   

Aquakultur in Deutschland

Garnelen liegen im Trend. Neben dem Lachs und dem Seelachs gehören sie zu denen am meisten präferierten Arten in Deutschland. Um die große Nachfrage zu decken werden ca. 40.000 Tonnen Garnelen und deren Verwandte nach Deutschland importiert. Doch der Missbrauch von Medikamenten oder unerlaubten Zusatzstoffen ist in den Erzeugerländern noch weit verbreitet und führt zu Importverboten bei den stichprobenartigen Kontrollen der EU. Es kommt daher nicht von ungefähr, dass die regionale Produktion von Lebensmitteln verstärkt in das Interesse der Konsumenten rückt. Aus diesem Grund haben sich in den letzten Jahren auch in Deutschland Garnelenfarmen etabliert. Diese produzieren ausschließlich in Kreislaufsystemen. Die Produktionsmengen pro Farm liegen bei ca. 5-30 Tonnen pro Jahr. Die Anlagen befinden sich in thermoisolierten Gebäuden und werden mit natürlichem oder künstlichem Meerwasser betrieben. Oftmals wird Abwärme genutzt, um die Wassertemperatur auf tropische 28-30°C zu bringen. Neben einer sehr umweltfreundlichen Produktion liegt der Vorteil vor allem in der Regionalität. Die Garnelen können im Gegensatz zur gefrorenen Importware frisch vermarktet werden. Die kurzen Vertriebswege ermöglichen eine sehr hohe Produktqualität und damit deutlich höhere Verkaufspreise.      

Setzlinge (Postlarven)

Die Versorgung mit Postlarven erfolgt über Brutanstalten. Diese benötigen Elterntiere für die künstliche Vermehrung. Hierfür stehen verschiedene Quellen zur Verfügung. Elterntiere werden in der Natur gefangen, wenn sie ein Gewicht von mehr als 40g haben, oder stammen aus Produktionsteichen, wenn sie nach ca. 7 Monaten eine Größe von ungefähr 30-35g erreicht haben. Am besten sind Brutanstalten, welche die Elterntiere ausschließlich unter biosicheren Bedingungen halten und an Überwachsungsprogrammen zur Krankheitsvorsorge teilnehmen. Diese Brutanstalten befinden sich derzeit ausschließlich in den USA. Die dortigen Elterntierbestände sind als SPF (specific pathogen free) und SPR (specific pathogen resistent) für die wichtigsten Krankheitserreger (Yellow Head Virus, IHHN Virus, White Spot Syndrom Virus, IMNV und Taura Syndrome Virus) zertifiziert. In Deutschland und der EU dürfen Garnelen daher nur aus den USA eingeführt werden.

Die künstliche Vermehrung und Larvenaufzucht wird von Brutanstalten weltweit praktiziert. Dabei kann es sich um sehr einfache, familiengeführte Betriebe, welche sich stark an den natürlichen Gegebenheiten orientieren, handeln, oder es sind moderne, von der Umwelt nahezu vollständig entkoppelte, stark technisierte Betriebe. Die Larvenaufzucht bis zur vermarktungsfähigen Postlarve (PL 10-12, bezeichnet die Anzahl der Tage nach dem letzten Larvenstadium) dauert etwa 21 Tage. Die Larven ernähren sich in der Regel von speziell produzierten Lebendfutter, wie z.B. Mikroalgen, Rädertierchen und Salinenkrebsen. Zunehmend werden auch künstliche Futtermittel eingesetzt, wie z.B. Mikropellets oder Flüssigfutter.      

Futter                                                                                  

Garnelen sind in der Lage die natürliche Produktion eines Teiches sehr effizient zu nutzen. Dies trifft auch auf intensiv genutzte Teiche zu. Für die zusätzliche Fütterung in Teichen oder super-intensiven Produktionen stehen eigens entwickelte Futtermittel verschiedenster Anbieter zur Verfügung. Die Anforderungen an die Futtermittel können je nach Produktionssystem abweichen. In Kreislaufsystemen werden typischerweise Futtermittel mit einem mittleren Proteingehalt (36-42%) und geringen Fettanteil (<10%) gefüttert.

Vermarktung

Die Garnelen werden ganz oder nur die Schwänze (geschält oder in Schale) vermarktet. Importware wird überwiegend gefroren geliefert. Vor dem Einfrieren werden die Garnelen glasiert. In Deutschland produzierte Garnelen werden roh und ganz vermarktet.

Das Fleisch der Garnele ist sehr aromatisch (insbesondere bei Zubereitung mit Schale) und dabei weiß, fest und feinfaserig. Garnelen eignen sich für alle Zubereitungsarten, man sollte jedoch mit Aromaten sparsam umgehen und das Eigenaroma wirken lassen.

Weiterführende Informationen

FAO Cultured Aquatic Species Information,

http://www.fao.org/fishery/culturedspecies/Penaeus_vannamei/en

FAO Species Fact Sheet,

http://www.fao.org/fishery/species/3404/en

 

Produzenten im Bundesverband Aquakultur

Förde Garnelen GmbH & Co.KG
Bülker Huk
24229 Strande

www.foerde-garnelen.de

 

Bilder

White Tiger Garnele, Litopenaeus vannamei, © Förde Garnelen, Foto Oliver Franke

 

​White Tiger Garnele, Litopenaeus vannamei, im Aquarium © CITTI, Foto Steffen Lindenau