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Edelkrebs

Edelkrebs, Astacus astacus

  

Lebensraum

Der natürliche Lebensraum des größten einheimischen Flusskrebses Astacus astacus findet sich in europäischen Flussläufen und Seen. Nach der Einbringung invasiver Arten aus Amerika (z.B.: Kaber- und Signalkrebs) und der Krebspest (Aphanomyces astaci) beschränkt sich der Lebensraum der Krebse mittlerweile auf einzelne höher gelegene Flussläufe, abgeschiedene Seen und Teiche. Gegenüber eutrophierten Gewässer ist der Krebs tolerant, reagiert aber empfindlich auf durch z.B. Düngung eingebrachte Toxine und die Verschlammung des Bodens durch Sedimenteintrag. Aufgrund der unterschiedlichen vom Menschen bedingten Gefährdungen und Veränderungen des Lebensraumes wird der Edelkrebs auf der Roten Liste vom Aussterben bedrohter Arten (Kat. 1) geführt.

Merkmale

Der Edelkrebs ist nachtaktiv und gräbt sich im Uferbereich Höhlen, die er als Rückzugsort am Tage nutzt. Er ist überwiegend braun bis olivgrün gefärbt, allerdings kommen auch blaue Exemplare vor. Die Flusskrebsmännchen werden bis zu 20 Zentimeter lang und ca. 250 Gramm schwer. Die Weibchen bleiben etwas kleiner. Charakteristisch sind die rote Färbung auf den Scherenunterseiten sowie die rote Färbung im Bereich des Scherengelenks. Die Bedornung des Rostrums ist ebenfalls charakteristisch.

Aquakultur allgemein

Der Edelkrebs wird heutzutage in Teichsystemen gezüchtet. Die Zucht erfolgt meist im Nebenerwerb, da bei großen Anlagen das wirtschaftliche Risiko durch die Krebspest stark zunimmt. Im Alter von 2 Jahren werden die Krebse fast ausschließlich als Besatzkrebse für private Teiche und Besatzgebiete eingesetzt, da das nach Erreichen der Geschlechtsreife einsetzende Territorialverhalten der Männchen hinsichtlich der Besatzdichte zum Problem wird. Ein Abwachsen zur Speisekrebsgröße ist damit aus ökonomischer Sicht wenig sinnvoll, wenn es sich um eigens dafür angelegte Teichanlagen handelt. Abgesehen von der Gefahr der Krebspesteinschleppung bieten hingegen bestehende und unverschlammte Teiche für die Produktion von Speisekrebsen gute Erfolgsaussichten. Die Marktgröße als Speisekrebse erreichen Edelkrebse nach ca. 3 Jahren mit einem Gewicht von ca. 120 Gramm.

Aquakultur in Deutschland

Die Jahresproduktion liegt mittlerweile bedingt durch die eingebrachte Krebspest und die Ausbreitung der amerikanischen Flusskrebsarten bei unter 10 Tonnen im Jahr und wird hauptsächlich in Form von Besatzkrebsen umgesetzt. Speisekrebse werden wenn, nur lokal vertrieben.

Fortpflanzung

Die Reproduktion des Krebses geschieht in Teichanlagen im Oktober/November auf natürlichem Wege. Voraussetzung dafür ist ein Absinken der Wassertemperatur unter 4°C, um die Eireifung zu induzieren. Die eiertragenden Weibchen werden in den meisten Zuchten im darauffolgenden Frühjahr abgefischt und in separate Becken gesetzt, um die Verlustrate durch Fraß von z.B. Libellenlarven zu reduzieren. Die Eizahl liegt bei 50-200 Eiern pro Muttertier. Nach dem Schlupf im Mai/Juni werden die Jungtiere nach einigen Wochen in neu aufbereitete Teiche gesetzt. Die Überlebensrate der Jungkrebse ist dadurch wesentlich höher und ermöglicht erst die wirtschaftliche Nutzung des Krebses.

Futtermittel

Da sich die Krebse in Teichanlagenkulturen von der Biomasse des Teiches ernähren, existieren für den Edelkrebs bislang keine eigenen Futtermittel. Im allgemeine benötigt er Futtermittel mit geringem Proteingehalt (>30%) und Fettanteil (>5%).

Vermarktung

Die Vermarktung beschränkt sich zum Großteil auf den Verkauf von Besatzkrebsen. Speisekrebse werden lebend in der Direktvermarktung angeboten. Der Transport der Tiere  ist relativ unproblematisch in Styroporboxen mit feuchtem Milieu möglich.

Weiterführende Informationen

BfN Fact Sheet:

http://www.bfn.de/natursport/info/SportinfoPHP/infosanzeigen.php?lang=de&z=Tierart&code=d251

NRW Fact Sheet:

http://www.naturschutzinformationen-nrw.de/artenschutz/de/arten/gruppe/weichtiere/kurzbeschreibung/151966

IMARE Forschungsprojekt A.st.ra:

http://www.imare.de/de/marine_aquakultur/forschung/astra/
 

Wissenschaftliche Forschung im Bundesverband Aquakultur

 

IMARE - Institut für Marine Ressourcen GmbH

Bussestraße 27-29

27570 Bremerhaven

Deutschland

http://www.imare.de/de/

Am Institut für Marine Ressourcen in Bremerhaven wird ein Projekt durchgeführt, welches zum Ziel hat, die Reproduktion von Astacus astacus in geschlossen Kreislaufsystemen zu untersuchen und die für eine Zucht nötigen Parameter zu optimieren. Hierzu werden Versuche zum Futtermanagement, dem Territorialverhalten und dem Anlagendesign durchgeführt. Das auf drei Jahre ausgelegte Projekt wird von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) gefördert. 

IMARE Forschungsprojekt A.st.ra: http://www.imare.de/de/marine_aquakultur/forschung/astra/

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